Masterplan Ladeinfrastruktur

1 Mio. Ladepunkte bis 2030

Kabinett beschließt »Masterplan Ladeinfrastruktur«

Um einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur für batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge auf den Weg zu bringen, hat das Bundekabinett einen Katalog mit 68 Maßnahmen verabschiedet. Aus Industrie, Forschung und Verbänden kommen auch kritische Stimmen.

Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, soll das Aufladen von batterieelektrisch angetriebenen Fahrzeugen (BEVs) künftig ebenso einfach, schnell und bequem wie das Tanken vonstatten gehen. Das ist auch nötig, will man die Attraktivität der Elektromobilität in dem Maße steigern, dass das von der Bundesregierung formulierte Ziel, 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030 auf die Straße zu bringen, erreicht wird. Derzeit sind es etwa 1,6 Millionen – allerdings mit stark steigender Tendenz.

Derzeit nur 70.000 Ladestellen in Deutschland

Tatsächlich hinkt Deutschland den ehrgeizigen Zielen vor allem beim Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur weit hinterher. Aktuell sind nach Zahlen der Bundesnetzagentur rund 70.000 Ladestellen verfügbar, darunter rund 11.000 Schnellladepunkte. Am 19. Oktober hat das Kabinett einen Plan verabschiedet, der die Schaffung von 1 Million Ladepunkten in Deutschland bis 2030 vorsieht.

Herausforderung Übertragungsnetz

Der von Verkehrsminister Wissing (FDP) vorgestellte »Masterplan« nennt 68 Einzelmaßnahmen. Vorgesehen ist unter anderem der Aufbau von Ladepunkten in Wohnvierteln, an Tankstellen sowie auf Firmengeländen. Zudem sollen zusätzliche Flächen für die Ladeinfrastruktur verfügbar gemacht werden, vor allem an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen oder Park & Ride-Plätzen. Als schwierigste Aufgabe bezeichnete der Minister die Integration ins Stromnetz, das rechtzeitig ausgebaut werden müsse. Nach Wissings Worten beträgt der Anteil von Elektroautos am Stromverbrauch derzeit 0,5 Prozent – 2030 wären es bei angenommenen 15 Millionen Elektroautos acht Prozent.

Hemmschuh Strompreis

Den ehrgeizigen Plänen steht ein weiterer Faktor im Wege: der zuletzt dramatisch gestiegene Strompreis. Durch die hohen Energiekosten wird die Elektromobilität trotz massiver Subventionen gegenüber Verbrennern erheblich verteuert. Die Geschäftsführerin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, hat daher bereits eine Senkung der Stromsteuer auf das »europäische Mindestmaß« gefordert, um das »Hochlaufen der Elektromobilität« nicht zu gefährden.

ADAC fordert Transparenz für Nutzer

Skeptische Töne, verbunden mit Forderungen, kommen auch vom ADAC. Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident des größten deutschen Automobilclubs, forderte die Politik auf, Unsicherheiten bei der Förderung von E-Fahrzeugen sowie im Hinblick auf die Strompreise auszuräumen. Zudem sei eine deutlich verbesserte Nutzerfreundlichkeit erforderlich, vor allem was die Transparenz von Preisen an der Ladesäule sowie die Bezahlmöglichkeiten angehe.

»Renaissance des Verbrenners« möglich

Der häufig als »Automobilpapst« betitelte Experte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research in Duisburg, erwartet angesichts reduzierter Subventionen für Elektroautos und steigender Strompreise gar eine »Renaissance des Verbrenners« im kommenden Jahr.

Foto: Zero Motorcycles

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