Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal: Land unter

Foto: Café Fahrtwind

Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal

Land unter

Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat das Leben vieler Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz auf den Kopf gestellt. Viele sterben, verlieren ihr Zuhause und ihr Lebenswerk. Besonders hart hat es das Ahrtal in der Eifel getroffen, für Motorradfahrer eine der Ausflugsregionen schlechthin.

Es war der absolute Alptraum, völlig surreal!“ Bei unserem Telefonat vier Tage nach der Hochwasser-Katastrophe im Eifeler Ahrtal steht Mirko Mochetti noch spürbar unter Schock. Der Betreiber des beliebten Café Fahrtwind in Hönningen (MOTORRAD NEWS 9/2018) hat die Katastrophe hautnah erlebt. Als am Abend des 14. Juli 2021 in kürzester Zeit die nur 150 Meter entfernt fließende Ahr zum reißenden Strom anschwillt, rettet sich Mirko in der oberen Etage des Fahrtwind-Gebäudes durch ein kleines Fenster aufs Vordach. Freunde des Hauses wissen genau, welches Vordach gemeint ist, denn darauf thront seit Jahren eine SR, die jeden Besucher schon von weitem signalisiert, dass er hier an der richtigen Adresse ist.

Innerhalb weniger Minuten steigt das Wasser an, erreicht bald zwei Meter Höhe. „Ich war klatschnass und hatte Todesangst. Ich dachte die ganze Zeit, das Haus schwimmt weg. Die ganze Nacht habe ich Wohnwagen und Bäume vorbeischwimmen sehen und rumpelnde Geräusche aus dem überfluteten Gebäude gehört. Es war schrecklich.“ Was Mirko in dem Moment nur ahnt: Die sonst so malerische Ahr, die sich in Schleifen durch die Landschaft windet, wütet dort, wo das Ahrtal besonders eng ist, als reißender Strom: In der kleinen Gemeinde Schuld reißt der Fluss ganze Häuser, Autos und Bäume mit sich und spült massive Brücken einfach weg. Zurück bleibt völlige Verwüstung.

Der nächtliche Albtraum endet für Mirko, als das Wasser in den Morgenstunden auf Hüfthöhe sinkt. „Wir können froh sein, dass wir noch leben“ sagt der 50-Jährige, der an diesem Morgen vor den Trümmern seines Lebenswerkes steht. „Dem gesamten Café-Fahrtwind-Team geht es den Umständen entsprechend gut und keiner ist körperlich verletzt.“ Im Landkreis Ahrweiler und Teilen der Eifel wird der Katastrophenfall ausgerufen, von Nah und Fern eilen Helfer herbei.

Der nächtliche Albtraum endet für Mirko, als das Wasser in den Morgenstunden auf Hüfthöhe sinkt. „Wir können froh sein, dass wir noch leben“ sagt der 50-Jährige, der an diesem Morgen vor den Trümmern seines Lebenswerkes steht. „Dem gesamten Café-Fahrtwind-Team geht es den Umständen entsprechend gut und keiner ist körperlich verletzt.“ Im Landkreis Ahrweiler und Teilen der Eifel wird der Katastrophenfall ausgerufen, von Nah und Fern eilen Helfer herbei.

Nachdem der erste Schock verdaut ist, krempelt Mirko die Ärmel hoch. Das Hochwasser ist nach den Corona-Lockdowns ein weiterer herber Schlag für den Gastwirt. Am Samstag nach dem Hochwasser richtet er sich per Facebook an die Gäste und Freunde des Hauses: „Auch das Café Fahrtwind wurde samt Einrichtung und aller Geräte bei dem furchtbaren Hochwasser vollkommen zerstört! Wir versuchen zu retten, was noch zu retten ist und möchten alles wieder für euch aufbauen. Dazu brauchen wir dringend eure Hilfe, da unsere Versicherungen nicht haften.“

Viele Freunde des Hauses überweisen prompt Geld auf das Spendenkonto. Am Sonntag kommen 20 freiwillige Helfer nach Hönningen und packen mit an: Alte Schulkameraden, Gäste und Fremde schippen Seite an Seite mit Mirko und dem Fahrtwind-Team Schlamm. „Ich möchte mich unendlich bei allen Helfern die vor Ort da waren und unglaubliches geleistet haben, bedanken und auch die vielen Spenden sind überwältigend und werden uns sehr helfen wenn der Wiederaufbau beginnt.“

Anderthalb Kilometer stromabwärts hat es in Ahrbrück das unmittelbar an der B257 und der Ahr gelegene Café-Bistro Ahrwind (NEWS-Ausgabe 2/2006) schwer getroffen. Ahrwind-Chef Jochen Retzmann berichtet: „Uns und den Mitarbeitern geht es gut. Das Café ist innen total zerstört, das Haus muss komplett saniert werden. In Ahrbrück hatte der Fluss in der Nacht etwa sieben Meter Wasserpegel, das Wasser stand bei uns im ersten Obergeschoss etwa zwei Meter hoch.“ Und auch hier packen die Stammgäste mit an: „Inzwischen haben wir mit viel Unterstützung von Motorradfahrern alles geräumt und den Schlamm entsorgt. Wir werden jetzt sehen wir es weiter geht. Tatkräftige Hilfe haben wir, finanzielle Unterstützung wäre jetzt gut.“

Knapp einen Kilometer Luftlinie westlich des völlig zerstörten Ortskerns von Schuld hat das Hochwasser ebenfalls gewütet. Dort, wo von der Landesstraße 73 die Landesstraße 75 nach Bad Münstereifel abzweigt, liegt das Haus Waldfrieden. Auf Luftaufnahmen im Internet kann man erkennen, dass das Haus des beliebten Bikertreffs an der Münstereifeler Straße noch steht. Doch ringsherum herrscht große Verwüstung. Wir sprachen mit Mehrsi-Chefin Monika Schwill. Sie ist mit den Waldfrieden-Gastgebern Rita und Peter Schaffron befreundet, seit die gemeinnützige Organisation vor 18 Jahren an der vorbeiführenden L165 den ersten Unterfahrschutz anbrachte. Über gemeinsame Kontakte hat sie nach bangen Tagen herausgefunden, dass Rita und Pitter das Hochwasser unbeschadet überstanden haben. „Aber Teile des Hauses wurden schwer beschädigt. Die beiden sind immernoch von der Außenwelt abgeschnitten, es sind Zustände wie im Krieg“, berichtet Monika.

Unglaubliche Bilder teilte die betroffene Motorrad-Szene im Internet vom Motorhotel „Am Tunnel“ an der Ahrschleife bei Altenahr. Dort entwickelten die Wassermassen beim Durchströmen des Tunnels so gewaltige Kräfte, dass die Bundesstraße samt Grundstück des Motorhotels geradezu weggesprengt wurden und die Gebäude nun an der Kante meterhoher Klippen stehen.

Eine Woche nach der Hochwasser-Katastrophe melden die Behörden über 120 Tote im Kreis Ahrweiler, viele Menschen werden immernoch vermisst. Nach wie vor gibt es in vielen Orten keinen Strom, kein Wasser, weder Festnetz- noch Handyempfang und die hygienischen Bedingungen spitzen sich zu. Während wir telefonieren, sitzt Mirko im Auto und steuert das Ahrtal an, wo ein neuer Tag der Aufräumarbeiten auf ihn wartet. „Ich denke, dass den Treffpunkten momentan am besten mit Baumaterialien und Spenden geholfen werden kann“, sagt er noch. Dann knistert es in der Leitung und der Kontakt bricht ab.

Hilfe für die Hochwasser-Region

Stammbesucher der Eifel können sich jetzt mit den Bewohnern ihrer geliebten Ausflugsregion und den Gastgebern solidarisch zeigen. Von Sachspenden bitten die koordinierenden Stellen, etwa die Sammelstelle des Nürburgrings, abzusehen. Die Lager sind voll und die Verteilung läuft auf Hochtouren. Wer praktische Hilfe leisten möchte, sollte sich vorher unbedingt mit den Menschen vor Ort abstimmen, denn die Polizei rät dringend von Reisen in die Region ab, um die ohnehin schwer beschädigte Infrastruktur nicht noch mehr zu belasten. Finanzielle Hilfe ist jetzt das, was den Betroffenen am meisten bringt.

  • Wer das Café Fahrtwind unterstützen möchte, kann das per Spendenkonto tun: Mirko Mochetti, Volksbank RheinAhrEifel eG, DE13 5776 1591 0413 4321 01 oder per Paypal: info@cafe-fahrtwind.de.
  • Freunde der Bikertreffs am Café Ahrwind können unter Hans-Joachim Retzmann, Volksbank RheinAhrEifel, DE87 5776 1591 1012 8930 00, Vermerk: „Wiederaufbau Ahrwind“ spenden.
  • Spenden für das Haus Waldfrieden gehen an Rita und Peter Schaffron, Haus Waldfrieden, Volksbank Euskirchen, DE43 3826 0082 3401 0550 10

Sophie Leistner

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