Motorendonner am Jochpass

Foto: Stephan Käufer

Zum 99. Mal startete das Jochpass Oldtimer Memorial

Motorendonner am Jochpass

Bad Hindelang. Motorendonner in Orchesterqualität erfüllte Mitte Oktober die eher beschauliche Jochpass-Straße zwischen Bad Hindelang und Oberjoch. 70 Motorräder, davon elf Gespanne, sowie ein Schwarm von mehr als 50 Vespa-Rollern aller Hubraumklassen gingen beim Jochpass-Oldtimer-Memorial an den Start. 140 Automobile und mehr als 30 Vorkriegsfahrzeuge stellten die Vierradfraktion.

Der Regen verabschiedete sich schnell am Samstag-Vormittag und hielt sich damit an die Vorhersage der Wetterfrösche. Von den zwei Trainingsläufen, die Samstag ab neun Uhr starteten, lief bereits der zweite, als die Sonne ebenfalls am Gasgriff drehte, mit Vollgas die Wolken beiseiteschob und den Blick auf die fantastischen Berge freigab. Der zweite Trainingslauf war gleichzeitig der Referenzlauf für die Gleichmäßigkeitsprüfung. Nach diesem Lauf mussten die Fahrer Ihre Zeitangaben machen.
Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Ausland. Als eines der letzten Bergrennen in Deutschland erinnert das Jochpass-Oldtimer-Memorial an das 1923 erstmalig ausgetragene Jochpass-Rennen. Seit 1999 wird es als Gleichmäßigkeitsprüfung durchgeführt, im kommenden Jahr feiert es seinen 100. Geburtstag.
Der sonnige Sonntag lockte ganze Heerscharen an die Rennstrecke. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch der Jochpass Oldtimer Memorial e.V.. Den Sieg in der Gesamtwertung bei den Motorrädern heimste Norbert Weiß auf seiner Yamaha SR 500, Baujahr 1978, ein.
Mit einer Bultaco Astro nahm Markus Amrein zum ersten Mal am Rennen teil: „Die Veranstaltung gefällt mir sehr gut“, erklärt der Schweizer. „Vor drei Jahren habe ich mich angemeldet. Dann ist es – schade, schade – zweimal ausgefallen und nun ist es so weit“. Rudi Utzinger und seine Frau Gisela als „Schmiermaxe“ waren mit Ihrem BMW-Gespann da. „Das ist ne tolle Strecke hier und Kompliment an alle, die hier drumherum am Werk sind. Uns machts richtig, richtig Spaß“, freut sich Rudi.
Vor dem historischen Hintergrund sowie der reibungslos, und sehr gut organisierten Veranstaltung verwundert es, dass der Gemeinderat von Bad Hindelang dem Bergrennen über 2024 hinaus keine Zukunft mehr einräumt. Die Begründung der Gegner unter anderem: „Eine solche Motorsportveranstaltung ist mit dem Ökomodell der Gemeinde Bad Hindelang nicht vereinbar“. Ob die Liftanlagen und die im Winter beschneiten Skipisten in das Ökomodell der Marktgemeinde passen, wird hier nicht diskutiert. Renate Finkel liebt die Rennen und wohnt keine zweihundert Meter von der Rennstrecke entfernt. Sie weiß: „Es gibt geteilte Meinungen, die einen mögen es, die anderen mögen es halt nicht. Es ist so wie immer, bei allen Sachen. Da ich das Ganze positiv sehe, stört es mich nicht“. Ihr gefallen die ganzen alten Autos und vor allem die Motorräder. Selbst fährt sie nicht.
Der veranstaltende Verein will kämpfen. Der Vorsitzende, Uwe Lassau erklärt: „Man muss vielleicht noch einmal auf die Wertschöpfung für den Ort zurückkommen. Durch die Berichterstattung im Fernsehen und in überregionalen Medien ist der Werbeeffekt, für Gemeinde und Region, sehr hoch“. Bestätigt wird dies durch die Bürgermeisterin der Gemeinde, Frau Dr. Sabine Rödel: „Die Veranstaltung hat Hindelang sehr bekannt gemacht. Man muss sich gut überlegen, im Hinblick auf die touristische Entwicklung, ob man langfristig auf die Veranstaltung verzichten möchte.“ Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Der Verein signalisiert Gesprächsbereitschaft.

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Stephan Käufer

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