Sperrung am Feldberg

Foto: Sophie Leistner

Kein Dialog

Sperrung am Feldberg

Der Feldberg im hessischen Mittelgebirge ist Anziehungspunkt für Besucher von nah und fern – auf zwei und vier Rädern. Doch zumindest den Motorradfahrern wird zeitweise ein Riegel vorgeschoben.

Niederreifenberg/Hochtaunuskreis. Die Diskussion um Motorradverbote rund um den Feldberg spitzt sich zu: Ab 2022 müssen Motorräder einmal im Monat draußen bleiben – ohne Diskussion.

Anfang November stellte der erste Kreisbeigeordnete Thorsten Schorr und die Geschäftsführerin der „Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein Main GmbH“ (IVM), einer Beratungsfirma für Verkehrskonzepte, Heike Mühlhans die Auswertung zu dem Verkehrsversuch „Motorradsperrung am Feldberg“ vor – und lieferten gleich die „Lösung des Problems“ mit. Laut des Kreisausschusses des Hochtaunuskreis, wirkte sich die verminderte Anzahl an Motorrädern auch auf die Lärmbelastung aus: Die Pegel nehmen bei einer Streckensperrung für Motorräder an den Messpunkten rechnerisch um 1,8 dB(A) bis 4,3 dB(A) ab. Entlastungen durch die Sperrung ergaben sich insbesondere für die Schmittener Ortsteile Oberreifenberg, Hegewiese und Arnoldshain. Auch sind die Entlastungsrouten nicht von Motorradfahrer-Spitzen wie der Feldberg betroffen, wo zeitweise alle 30 Sekunden ein Zweirad vorbeikommt.

Das alles reicht aber laut des Kreisausschusses nicht, um eine dauerhafte Sperrung rechtfertigen zu können. Trotzdem geht der beschlossene Ansatz in diese Richtung: Dafür lieferte die IVM GmbH in Abstimmung mit den Kommunen eine Empfehlung für eine zweitweise Aussperrung von Motorrädern. Diese wird ab 2022 umgesetzt: Jedes zweite Wochenende eines Monats in der Zeit von April bis Oktober sollen Zweiräder keine Zufahrt zum Feldberg erhalten und stattdessen über Alternativrouten ausweichen. Für die von diesen Ausweichstrecken betroffenen Ortschaften werden „erweiterte Geschwindigkeitsbegrenzungen“ diskutiert. Dabei beziehen sich die Parteien auf Erfahrung des 2019 im Mai und September durchgeführten Versuchs.

Gegen dieses Konzept, das zumindest keine pauschale und vollständige Sperrung für Motorräder vorsieht, regen sich allerdings auch kritische Stimmen: Die Biker-Union bemängelt vor allem die Herangehensweise der Offiziellen. In einem Statement zur Sache äußert sich Rolf „Hilton“ Frieling enttäuscht, statt eines Dialogs vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden: „Wir waren als Vertreter der Motorradfahrer von der Kreisverwaltung in die Vorbereitung und Durchführung des Pilotversuchs eingebunden und haben ihn mit eigenen Vorschlägen unterstützt. Vereinbart war, dass nach Auswertung der Ergebnisse am Runden Tisch mit allen Beteiligten über geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vor Ort diskutiert werden sollte. Deswegen waren wir sehr überrascht, dass uns Thorsten Schorr bereits mit den betroffenen Kommunen abgestimmte 'Lärmpausen' als Ergebnis des Pilotvorhabens vorstellte. Als besonders ärgerlich empfanden wir es, dass die Medien bereits vorab über diese Entscheidung informiert wurden. Offenbar gibt es sehr unterschiedliche Definitionen des Begriffs 'Dialog'. Man könnte auch sagen, dass man versucht hat, uns zu verschaukeln“.

Gleiches kommt vom BVDM, der dieses Vorgehen verurteilt: „Der BVDM interpretiert die Ankündigung von Thorsten Schorr auch nicht als 'Kompromiss' (wie dieser behauptet), sondern als einen 'obrigkeitsstaatlichen' Affront. Ohne jegliches Bemühen um Einbindung der Bürger in eine Problemlösung“, wie der BVDM auf der Website verkündet.

Beide Motorradverbände sehen den Prozess als noch nicht abgeschlossen: Der BVDM möchte Einsicht in die erhobenen Daten und eine Überprüfung des Gutachtens: „Für den BVDM ist die Interpretation der Daten durch die IVM GmbH als einzige Unterlage nicht ausreichend, um den tatsächlichen Sachverhalt der testweisen Streckensperrung nachvollziehen zu können“.
Die BU behält sich das rechtliche Vorgehen vor: „Für die Einführung eines solches Modells gibt es keine Rechtsgrundlage. Die Festlegung auf ein Wochenende pro Monat ist zudem willkürlich“.

Doch das Modell ist vorerst gesetzt: Einige Geschwindigkeitsbegrenzungen rund um die Ausweichrouten Außerorts wurden bereits angeordnet und umgesetzt. Zudem werden im Rahmen der regelmäßigen Verkehrsschauen gemeinsam mit den beteiligten Straßenverkehrsbehörden und der Polizei weitere Maßnahmen geprüft.

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