Foto: Stephan Maderner

Liebeserklärung an den allerniusten Stromer 

Testride: Tinbot Esum ES1

Seit Ausbruch der Corona-Krise bewältige ich meine urbane Mobilität im Sattel einer elektrischen Supermoto. Mit dem Tinbot Esum ES1 wird je­de Fahrt zum Einkaufen oder nur so zum Spaß zu einem Statement der Verkehrswende in Ballungszentren, sie schärft das Profil des neuen Motorradfahrertypus der Zukunft, des Silent Riders.

Ein neuer Player auf dem Markt der urbanen Elektromobilität, die Tinbot Technology GmbH mit Sitz in Frankfurt, macht auf sich aufmerksam. Im Portfolio des deutsch-chinesischen Start-ups befinden sich elektrische Mofas, Roller, Leichtkrafträder und Supermotos mit Elektromotoren von Bosch; je nach Varianten zwischen 20, 45 und 90 km/h schnell. Rund 60 Händler sind bereits an Bord. Sales Manager Michael Rauschenbach bewegt sich mit atemberaubenden Tempo in der deutschen Handelslandschaft und setzte in diesem Jahr trotz Corona-Krise fast im Wochentakt neue Partner ein. 

Im Test wollen wir an dieser Stelle die Tinbot Esum ES1 vorstellen, eine elektrisch angetriebene 50er-Supermoto. Esum steht für Electric sports urban motorcycle. Der nur 109 Kilogramm schwere Kurvenräuber ist extrem handlich. In dem von mir bevorzugten „Sport“-Modus schafft man es mit einem vollen Akku etwa 40 Kilometer weit, im Eco-Modus sind 60 bis 70 Kilometer drin. Ist man hautptsächlich in der Stadt unterwegs, reicht das völlig.  Macht einen Riesenspaß, mit dem 88 Zentimeter hohen Stromer unterwegs zu sein. Ob zum morgendlichen Brötchenholen oder ob man auf dem Bauernmarkt frisches Gemüse besorgen oder lautlos zum Sightseeing durch die Stadt cruisen möchte – dieses Elektrobike macht einfach Bock auf individuelle Mobilität. Nach acht Stunden ist der Samsung-Akku voll, wenn er zuvor ganz leer gesaugt wurde. Zumeist reicht es aber im normalen Alltagsbetrieb, das Fahrzeug ein oder zweimal in der Woche über Nacht oder für ein paar Stunden an die Haushaltssteckdose anzustöpseln. Schon ist der „Tank“ wieder voll und man kann unbeschwert am Stromhahn ziehen. Optional wird ein zweiter Akku angeboten. Kalkulierte Kosten für 100 Kilometer: 1,14 Euro! Wie bei Tesla basiert das Speichersystem der Esum­Akkus auf Lithium-Ionen-Zellen der Bauart 18650. Mit anderen Worten: optimierte Zellchemie für Elektrofahrzeuge. Das Bike ist ein Hingucker und dank des leistungsfähigen LED-Lichts gut zu sehen. Beim Ampelstart zieht das Teil die Wurst vom Teller. Je nach Variante und eingestellten Fahrmodi (Eco, Normal oder Sport) stehen von der ersten Millisekunde 30 bis 225 Newtonmeter Drehmoment an. 

Wow, das elektrisiert einem bei jedem Ritt durch die Stadt, Fahrspaß pur, perfekt geeignet für den ökologisch angehauchten Rider und ideal, um den städtischen Dschungel zu durchqueren. Mit der 45er-Variante (kleines Ver­sicherungskennzeichen) erreicht man laut Tacho gut 52 Sachen. Wir empfehlen an dieser Stelle aber definitiv die Leichtkraftrad-Variante Tinbot Esum Pro S mit 11 kW Motor und maximal 370 Nm Drehmoment, Höchstgeschwindigkeit: 90 Sachen. Mit diesem Stromer schwimmt man dann endgültig hervorragend im City-Pkw-Verkehr mit, der sich erfahrungsgemäß mit durchschnittlich 60 bis 65 Sachen durch die Straßenschluchten bewegt. Mit der Esum Pro werden auch Ausritte auf der Landstraße möglich. Das Design des Esum ES1 ist unmissverständlich – Kraft und Dynamik vermitteln dem E-Motorrad das, was es auch leistet. Der FOC (Vektor-orientierter Controller) bietet Beschleunigung von sanft bis brachial, je nach Fahrstilwunsch präzise Antriebsmotorarbeit. Das Bike zeichnet sich durch eine hohe Fahrdynamik aus. Dank des hinteren hydraulischen Stoßdämpfers mit 18-stufiger einstellbarer Federvorspannung entsteht echtes Motorrad-Feeling. Komfortabel ist auch das automatische Kettenschmiersystem namens Kolter. Die Supermoto spricht sportliche Fahrer an: Auf dem E-Motorrad fühlt man sich wie ein echter Rennfahrer. Die Sitzform und die schmale Bank zwingt einen in eine nach vorne gelehnte sportliche Sitzposition. Dabei bleibt sogar noch ein wenig Platz für einen Sozius. Und was ist mit den Bremsen? Die Doppelkolbenbremse vorne mit einem Durchmesser von 240 Millimetern verzögert zuverlässig, hinten wird mit einer Einkolbenbremse mit 220 Millimetern gebremst. 

Fazit: Es war zwar keine Liebe auf den ersten Blick, als ich die Testmaschine in Empfang nahm. Dazu ist das Design des Stromers mit dem vielen Plastik und Kunststoff einfach zu polarisierend. Vorbehalte wegen made in China? Die Bedenken verfliegen schnell, weil der Motor bei jedem Ampelstart begeistert. Zooom und weg. Die Formel Esum = Electric sports urban motorcycle sollte man sich einprägen. Mit der Tinbot Esum ES1 oder Pro steht das perfekte Zweirad für den Alltagsbetrieb im Großstadtdschungel bereit. Zu 
einem fairen Preis, für den man derzeit noch nicht einmal ein gescheites Pedelec bekommt. Worauf also noch warten? Beim nächsten Händler zur Probefahrt anmelden. Lasst euch unter Strom setzten, mutiert zum Silent Rider. Schont die Ohren der zunehmend zweiradkritischen Mitbürger. Macht Spaß. Versprochen!

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