Yamaha YZR-M1 V4-Prototyp

Prototyp YZR-M1 V4 erfolgreich getestet

Yamaha arbeitet an V4-Motor

Beim Moto-GP-Lauf in Misano setzte Yamaha einen Prototypen mit V4-Motor ein. Ob und wann das komplett neue Aggregat seinen Weg in die Serie finden wird, ist offen.

Yamaha ist zurzeit der einzige Hersteller in der MotoGP, der noch einen Reihenvierzylindermotor einsetzt. Die Konkurrenz von Aprilia, Ducati und KTM setzt hingegen auf das V4-Prinzip, bei Honda gehört diese Motorenbauart quasi zur Marken-DNA. Aprilia und Ducati haben jeweils auch Serienmodelle mit V4 im Angebot, Honda, lange Platzhirsch in diesem Bereich, bietet für den Endverbraucher aktuell nur die extrem teure und limitierte RC213V-S mit dieser Zylinderanordnung an.

Im MotoGP kommen die Hersteller am Vierzylinder-V-Motor jedoch nicht vorbei. Seine Vorteile gegenüber dem Reihenvierer sind gravierend. Durch die kompaktere Bauweise haben die Ingenieure mehr Spielraum bei der Integration ins Chassis, was zur Zentrierung der Massen genutzt werden kann. Zudem kann die Fahrzeugfront schmaler gehalten wird, was Vorteile nicht nur bei der Aerodynamik, sondern auch für die Ergonomie des Fahrerarbeitsplatzes bringt. Die kürzere Kurbelwelle ist im besten Falle weniger anfällig für Eigenschwingungen, verbesserte Laufruhe ist die Folge. Eine kurze, steifere Kurbelwelle im V4 reagiert präziser, wodurch Traktion und Dosierbarkeit des Drehmoments begünstigt werden.

Yamaha YZR-M1 V4-Prototyp
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Yamaha YZR-M1 V4-Prototyp

Yamaha YZR-M1 V4-Prototyp

Damit wären wir beim wichtigen Thema »Grip«. Hierbei spielen auch die gegenüber dem Reihenvierer umfangreicheren Variationsmöglichkeiten bei der Zündfolge eine wichtige Rolle. So nutzen beispielsweise Ducati und Honda bei ihren V4-Motoren eine »Big-Bang«-Zündfolge. Das heißt einige Zündungen folgen enger beieinander, dann folgt eine kleine Pause. In diesem Intervall wird der Hinterreifen entlastet, der beanspruchte Gummi kann sich sozusagen »erholen«, um dann erneut Grip aufzubauen.

Yamaha sieht das Potenzial des Reihenmotors nun offenbar als ausgereizt an, und hat sich an die Entwicklung eines eigenen V4 gemacht. Sein Debut hatte das Aggregat in einem Prototypen, der exakt wie die aktuelle Maschine mit Reihenmotor die Bezeichnung YZR-M1 trägt. Augusto Fernandez erprobte die Maschine im Rahmen eines Wildcard-Einsatzes beim MotoGP-Lauf in Misano. Neben Bremsverhalten und Handling lobten Fernandez aber auch andere Yamaha-Piloten wie Ex-Vizeweltmeister Andrea Dovizioso, der als Berater und Testfahrer für das Yamaha-Werksteam tätig ist, den »Grip«, der sich mit dem neuen V4 offenbar tatsächlich leichter aufbauen und kontrollieren lässt.

Was dem Rennfahrer recht ist, ist dem Tourenfahrer billig. Natürlich geht es dabei ums Reisen und nicht ums Rasen. Doch auch im Toureneinsatz bietet ein bulliger V4 eine der angenehmsten Möglichkeiten des Vorankommens. Wäre doch schön, wenn eines nicht ganz so fernen Tages ein Yamaha-Tourer oder eine große Reiseenduro mit einem solchen Aggregat ausgestattet würde.

Doch zurück in die nähere Zukunft. In der laufenden Saison werden die Yamaha Stammfahrer sicher nicht mehr von der V4-Power profitieren. Das liegt weniger am Entwicklungsstadium des Motors, sondern schlicht daran, dass sie ihr Upgrade-Kontingent aufgebraucht haben. Frühestens also in der Saison 2026 wird sich Yamaha mit seinem Werksteam in die V4-Riege einreihen.

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