Öl-Attacken - Zehn Jahre Ungewissheit

Foto: Stephan Käufer

Öl-Attacken

Zehn Jahre Ungewissheit

Am 17. April 2011 ist Josef Deniffel auf seiner roten 900er Fireblade unterwegs. Josefs Bruder Markus macht sich um vier Uhr auf den Heimweg, mit dem Fahrrad Richtung Rettenbach. Von weitem erkannte er das rote Motorrad, das da auf der Straße lag: Nach dem furchtbaren Schock und dem Erkennen, dass da der Bruder tot auf der Straße liegt, kam ein Polizist, auf ihn zu. "Der Polizist zeigte mir dann die Öllache: Das war spiegelglatt. Die Glasscherben hat man auch gesehen.“

Bis heute, zehn Jahre danach, ist der Mordfall ungeklärt. Von 2007 bis 2011 konnte die Polizei sieben weitere Taten damit in Verbindung bringen. An zehn weiteren „Tatorten“ wurden an jenem Tag mit Altöl gefüllte Sektflaschen auf den Straßen im Ostallgäu zum Zerbersten gebracht. Am Tatort wurde DNA, die vom Täter stammen muss, sichergestellt, ein großangelegter Test mit über 1500 Speichelproben durchgeführt. Ergebnislos.

Alwin Bunk, Erster Kriminalhauptkommissar der Ermittlungsgruppe in Kempten, erklärt: „Wir wollten möglichst breit alles abklopfen.“ Bunk berichtet weiter: „Dass es sich um eine Serie handelt, hat sich erst später durch die Ermittlungen der Kollegen ergeben.“ Die Vorfälle ereigneten sich in einem Gebiet zwischen Freising, Tuttlingen sowie Giengen an der Brenz und eben Markt Rettenbach. Bunk, Kommissar mit 40 Dienstjahren, erklärt weiter: „In den letzten zehn Jahren konnten wir keinen weiteren Fall dieser Serie zuordnen“. Es gab viele Überprüfungen, doch der „Modus Operandi“, von dem Kriminalisten in diesem Fall sprechen, bestimmte Merkmale im Tatablauf, die sich gleichen, gab es nicht wieder.

War der Anschlag gezielt auf Motorradfahrer ausgerichtet? Bunk verneint. Er erklärt: „Wenn man am 30. Oktober, in der Nacht, auf der Autobahn, Ölflaschen aus dem Fenster wirft, kann man nicht davon ausgehen, dass der Täter es ausschließlich auf Motorradfahrer abgesehen hat.“ Bei der Anschlagsserie gab es weitere schwere Unfälle. Einen PKW hat es auf das Dach gedreht, der Fahrer wurde schwer verletzt. Auch ein weiterer Motorradfahrer wurde aus dem Sattel geholt, auch er schwer verletzt, aber nicht getötet. Der Kriminalhauptkommissar stellt fest: „Spätestens seit dem Autounfall musste der Täter davon ausgehen, dass weit schlimmeres passieren kann.“

Ob mit dem Abbrechen der Anschlagsserie ein Einlenken des Täters, geschuldet der Todesfolge, einher geht, ist Spekulation, ändert aber nichts. Die Polizei ermittelt in einem Mordfall. Mord bleibt Mord und verjährt nicht. Markus Deniffel folgerichtig: „Der soll seine Strafe bekommen. Der hat einer Ehefrau den Mann genommen, einer Mutter ihr Kind und einem Bruder den Bruder.“

Sachdienliche Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Kempten unter 0831/99090.
 

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