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Motorradreise Westafrika

Reise: Köln–Kamerun

Kunst und Abenteuer in Westafrika

Einen außergewöhnlichen Ansatz verfolgten der Kölner Fotograf Klaus Wohlmann und seine Frau Isa auf ihrer Motorradreise durch Westafrika: die beiden luden die Menschen, die sie unterwegs kennenlernten, ein, sich an einem Kunstprojekt zu beteiligen. Von Andreas Reimar

 

Entwicklungs-Projekte unterwegs

Drei Jahre nach seiner ersten Soloreise mit dem Motorrad durch Westafrika startet der Kölner Fotograf Klaus Wohlmann erneut. Diesmal in Begleitung seiner Frau Isa. Gemeinsam bereist das Paar 11 Staaten, legt dabei über 15.000 Kilometer zurück. Schwierige Pisten, stechende Sonne, einfachste Unterkünfte – das Motorradreisen ist noch eine echte Herausforderung in dieser mit Infrastruktur nicht verwöhnten Weltgegend. Herausforderungen, die für den Reisenden ein Vorübergang sind, ein mehr oder weniger flüchtiges Abenteuer. Für die Menschen am Rande der Sahara und in den Sahelländern sind sie alltägliche Realität. Genau diesen Alltag wollten Klaus und erleben. Deshalb gingen Sie näher dran an die Menschen. Das taten sie in zweierlei Hinsicht. Zum einen besuchten sie zahlreiche Hilfsprojekte entlang der Reiseroute. Mit der Kamera begleitet Klaus Wohlmann die Entwicklung der Projekte, dokumentiert die Entstehung von Staudämmen, Schulen oder lokaler Wasserversorgung. Und Klaus bleibt dran. Nach Fertigstellung der Projekte kehrt er zurück, dokumentiert den Fortschritt, tritt mit den Menschen in Kontakt, den Kindern in der Schule oder den Neubauern im Bewässerungsprojekt.

Licht und Schatten

Durch diese Nähe gewannen die Beziehungen eine Intensität, die es Klaus Wohlmann erlaubte, die Menschen zur Teilnahme an seinem Kunstprojekt einzuladen, dem Projekt „Licht und Schatten“. Entwickelt hat Klaus Wohlmann das Konzept „Licht und Schatten“ ursprünglich im Fotostudie als Variante zur Portraitfotografie. Wohlmanns Modelle werden mittels einer von ihm selbst entwickelten Blitztechnik von hinten erhellt. Das Profil des seitlich gedrehten Kopfes erscheint als leuchtende Linie vor einem tiefschwarzen Hintergrund. Auch die Geschichtszüge verschwinden im Dunkel. Ein Aspekt, der für Klaus Wohlmann als weißem Fotografen in Schwarzafrika eine zusätzliche Dimension bekommt: Kategorien wie Hautfarbe treten in diesen Portraits zurück, der Mensch wirkt im ursprünglichsten Sinne als Individuum durch sein unverwechselbares Profil. Für die Reise mit dem Motorrad bedeutete dieser Anspruch natürlich besondere Herausforderungen. Neben einer umfangreichen Fotoausrüstung musste noch eine komplette professionelle Blitzanlage sicher über die afrikanischen Pisten transportiert werden. Und wie haben die Menschen reagiert auf die Fremden mit den Motorrädern und der seltsamen technischen Ausrüstung? „Zunächst gab es natürlich eine gewisse Scheu“, beschreibt Klaus Wohlmann die typische Situation. „Doch sobald sich einer aus einer Gruppe bereit erklärt hatte, sich portraitieren zu lassen, standen die anderen Schlange.“

Festival de l’Air

Stoff für den Fotografen im Überfluss bot sich Klaus Wohlmann im Niger. Über tiefsandige Pisten und durch schwer passierbare Wadis haben sich Klaus und Isa nach Agharous im Department Tchirozérine durchgekämpft. Dort findet ist das „Festival de l’Air“ in vollem Gange. Tuareg von nah und fern sind in ihren festlichsten Trachten erschienen. Die prächtigsten Gewänder werden prämiert, es wird gefeiert, gegessen und vor allem – musiziert. Eine außergewöhnliche Reise haben Klaus und Isa Wohlmann erlebt, als sie nach dreieinhalb Monaten auf Achse nach Deutschland zurückfliegen. Die Motorräder stehen noch immer in Kamerun. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die beiden wieder aufbrechen – um zu reisen, zu erleben und mit Sicherheit auch wieder fantasievolle Projekte zu starten.


Klaus Wohlmann
Zur Person

Klaus Wohlmann wurde 1963 in Köln geboren; er lebt und arbeitet hier. Die Arbeiten, die auf seinen Motorradreisen entstehen sprengen die klassischen Gattungsgrenzen zwischen Reportage, Dokumentation und Kunst. Neben der Fotografie ist Klaus Wohlmann noch in zahlreichen anderen Feldern künstlerisch aktiv: Multivisionen, Collagen, Malerei und Performances gehören ebenso zu seinem Spektrum wie Projektarbeit. So hat Klaus Wohlmann beispielsweise den Kölner »Straßentango« initiiert. Das Interesse des Publikums an seinen Arbeiten zeigt sich in zahlreichen Ausstellungen und Buchveröffentlichungen. Der Bezug zum motorisierten Zweirad reicht bei Klaus Wohlmann gut 30 Jahre zurück. Bereits als 17-Jähriger reiste er mit dem Mokick von Köln nach Marokko. Und bis heute ist das Motorrad für ihn ein Vehikel, das ihm unvergleichliche Mobilität und gleichzeitig Nähe zu den Menschen verschafft. www.klauswohlmann.de

 

Festival de l’Air
Festival de l’Air

Das »Festival de l’Air« wurde im Jahr 2001 ins Leben gerufen, um die Tuareg-Gruppen der Air-Region zu versöhnen. Die um die kargen Weidegründe konkurrierenden Stämme treffen sich auf dem Festival. Im friedlichen Wettstreit bei Kamelrennen, Prämierungen des bestgebundenen Turbans und Trachten-Schauen wenden sich die Menschen den Wurzeln ihrer Kultur zu. Drei Tage lang wird gefeiert, gesungen und getanzt. Sogar eine Miss-Wahl steht auf dem Programm. Ursprünglich fand das »Festival de l’Air« in Iférouane am Fuße des Mont Tamgak statt. Nach einer der schwierigen Sicherheitslage geschuldeten Pause von zwei Jahren wurde 2010 Agharous im Department Tchirozérine als neuer Austragungsort gewählt.

 

Karte Westafrika
Route und Stationen

Die Reise führte durch 10 Staaten von Köln bis nach Kamerun. Die zurückgelegte Distanz beträgt 15.689 Kilometer. Der Großteil davon Afrika auf Pisten. Wer dieses Strecke befährt muss sich darüber im Klaren sein, dass er sich in zahlreichen der bereisten Staaten auf unsicherem Terrain bewegt. Die politische Lage ist vielerorts instabil, in der südlichen Sahara und den angrenzenden Regionen operieren terroristische Gruppen. Die bereisten Länder : Frankreich, Marokko, Mauretanien, Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad, Kamerun. Aktuelle Informationen zur Sicherheitslage stellt das Auswärtige Amt bereit.

Klaus Wohlmann live

Die Impressionen der Reise 2009/2010 »Licht und Schatten. Köln - Kamerun mit den Motorrädern« gibt es am 12. Februar im „Steinbruch“ in Duisburg zu sehen. Diaschau mit anschließender Vernissage. Beginn 19.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro.
Präsentiert von der KARAWANE.

 

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