Motorradtour kompakt

Südlicher Westerwald

Zumindest auf der Landkarte wirkt der südliche Westerwald überschaubar – also genau das Richtige fürs erste Mal im neuen Jahr, für mich und die geliehene Suzuki Address.

Ostern geschafft und den Frühling erwartend, sitze ich am Küchenfenster, auf halbwegs stabiles Wetter lauernd. Die erste Ausfahrt auf schmalem Profil hat sich wegen zuviel Weiß in den letzten Tagen verzögert. Aber heute ist es soweit. Denn ganz in der Nähe soll es Landschaft und Kurven als Appetithappen geben. Gemeint ist die südliche Ecke des Westerwalds mit dem Kleinod Gelbachtal und dem Lahntal im Sü den als Grenze zum Taunus.

Den Anfang der Runde macht die Burg Lahneck, an der Mündung der Lahn in den Rhein gelegen. Das Schild am verschlossenen Tor weist auf die nächste Führung am Sonntag hin, also heute um zehn Uhr. Jetzt ist es 10:23, Uhr doch irgendwelche Besucher sind nirgendwo zu sehen. Soll ich auf einen der schnöden Klingelknöpfe drücken?

Motorradtour kompakt – Westerwald
Reiseinformationen und Karte

Nein, also wieder die recht steile Straße zur Lahnmündung runter, wo mich leichte Zweifel an der Standfestigkeit meines Gefährts überkommen (im Laufe der Tour drängt sich jedoch der Begriff Handlichkeit in den Vordergrund).

Die Lahn entlang fahrend, mache ich ein Stück flussaufwärts einen spontanen Abstecher auf die Taunusseite des Flusses und er klimme die Höhe über enge Kehren und Serpentinen Richtung Frücht. Von dort geht es ähnlich kompakt wieder runter nach Bad Ems. Bis jetzt ein einsamer Verfechter der Zweiradkultur, treffe ich gegen Mittag auf zu nächst vereinzelte Exemplare meiner Art. Klar, es ist Sonntag.

Nach kurzer Pause geht es auf einen kleinen Schlenker rauf zum Concordia-Turm, ein Relikt aus Kaisers Zeiten, dem Bad Ems in seiner ganzen Pracht zu Füßen liegt.

Da ich bereits zuvor die Deutsche Limesstraße touchiert habe, nehme ich diese Spur wieder auf und steuere den Römerturm bei Arzbach an. An einem kleinen Parkplatz angekommen,
sehe ich, dass der Rest Wegstrecke zu Fuß zu bewältigen ist. Leider habe ich meine Wanderschuhe vergessen.

Ein Dutzend Singletrack-Kurven später sehe ich den Turm dann doch noch von Arzbach aus und bekomme eine Ahnung von der ausgefeilten Strategie der Römer zur Kontrolle ihres Herrschaftsgebietes. Immerhin führte dieser Teil des Limes rund 550 Kilometer durch die jetzt deutsche Mittelgebirgslandschaft von Rheinbrohl bis an die Donau. Andere Gebilde dieser Art wie der Hadrianswall in England verteilen sich über ganz Europa.

Den Schlenker vervollständige ich durch die Rückkehr an die Lahn, um mich über Bad Ems, Dausenau und Nassau, hier mit erfolgreichem Stopp an der gleichnamigen Burg samt Turmbesteigung, ins Gelbachtal zu stürzen. Je näher ich dem Abzweig komme, desto mehr Zweiradtreiber kreuzen meinen Weg oder ziehen an mir vorbei. Meine kleine Address ist halt kein Beschleunigungswunder.

Die Gelbachtalstrecke mit dem Ziel Montabaur, so lerne ich, wird gerne in einem Stück fahren. Ich meine sogar, einigen besonders Zweiradvernarrten zweimal begegnet zu sein, lassen diese 25 Kilometer Strecke doch jede Gangart zu. Auch die kleine Suzuki schlägt sich wacker.

Kurz vor Montabaur in Wirzenborn lädt das Motorradmuseum Montabaur zum Schnack ein. Da ich es je doch durch einen früheren Be such kenne, bleibe ich dem Asphalt verbunden und drehe den Zündschlüssel erst in Montabaur-City. Beim Gang durch die Innenstadt bestätigt sich der vorherige Eindruck von einer seit langem gewachsenen Gegend. Viele Fachwerkhäuser, die auch an schwäbische Stadtbilder erinnern, führen mich hinauf zum Schloss Montabaur, dessen Wurzeln wie die so vieler Pracht bauten kirchlichen Ursprungs sind. Der Einlass ist mir jedoch verwehrt, weil in genossenschaftlichem Privatbesitz.

Die sich an den Hügelkämmen brechende Sonne mahnt mich, an den Heimweg zu denken, denn wie schon erwähnt, es ist Sonntag. Und die Familie wartet.

Über die Bundesstraße 49 geht es Richtung Koblenz, was sich schnell als großer Fehler entpuppt. Die langen Steigungen lassen der Suzuki Address, die ursprünglich als Lastesel für das Verkehrsgewühl in asiatischen Metropolen konzipiert wurde, ein wenig die Luft ausgehen. Also den nächsten Abzweig nutzen und mit Peilung Hillscheid über schattige Höhen weiterem Frust entgehen und ab Vallendar nur noch an die schönen Eindrücke denken.