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Gütesiegel für Fahrertraining

Die ACEM, der Verband der europäischen Motorradindustrie, hat ein Gütesiegel für Motorrad-Sicherheitstrainings ins Leben gerufen. Dr. Veneta Vassileva, die Sicherheitskoordinatorin des Verbands, erläutert Zielsetzung und Hintergründe der Initiative.

Warum engagiert sich die ACEM für ein europäisches Qualitätssiegel für Fahrertrainings?
Dr. Veneta Vassileva: Die Motorradindustrie ist der Auffassung, dass die Sicherheit im Motorradbereich nur durch einen integrierten Ansatz verbessert werden kann, der die Fahrzeugtechnologie, den Faktor Mensch und die Infrastruktur umfasst. Sogar das modernste Motorrad, das mit den ausgefeiltesten Technologien ausgestattet ist, bringt keine signifikanten Sicherheitsvorteile, wenn der Fahrer die Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht in einer verantwortungsvollen und sicheren Weise teilt. Die ACEM hat sich daher mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) zusammengeschlossen, um mit dem »European Quality Label Motorcycle Safety« ein europäisches Qualitätssiegel für Fahrertraining ins Leben zu rufen.

Warum misst die ACEM dem Fahrertraining eine so große Bedeutung bei?
Die verfügbaren Studien haben durchgängig gezeigt, dass menschliches Versagen die häufigste Unfallursache ist. Deshalb sollten die Anstrengungen darauf ausgerichtet sein, eine Sicherheitskultur für alle Verkehrsteilnehmer einschließlich der motorisierten Zweiradfahrer zu etablieren. Ausbildung kann dabei eine bedeutende Rolle spielen.
Daher hat die Motorradindustrie seit jeher für eine lebenslange Ausbildung befürwortet. Hierzu zählen die erste Führerscheinausbildung, die Ausbildung von Fahrern, die auf stärkere Maschinen umsteigen, die Ausbildung von Inhabern von B-Lizenzen unter Verwendung der Äquivalenzoptionen und zu guter Letzt die freiwillige Weiterbildung. Diese sogenannten Post-Lizenz-Trainingsprogramme sollten den Schwerpunkt auf Sicherheit, Gefährdungswahrnehmung und Risikobewusstsein legen.

Dr. Veneta Vassileva
Dr. Veneta Vassileva

Welche Vorteile bringt ein Gütesiegel den Trainingsanbietern?
Zunächst einmal sollte klar sein, dass das Gütesiegel für Trainingsprogramme vergeben wird und nicht die Anbieter selbst damit ausgezeichnet werden. Es geht also um die Inhalte. Entsprechend können sich Ausbildungsanbieter, die dasselbe Programm anbieten, zusammenschließen und so Zertifizierungskosten sparen. Ausbildungsprogramme, die mit dem Label ausgezeichnet wurden, erhalten dadurch eine maximale Transparenz.

Wie läuft der Zertifizierungsprozess ab und worauf achten die Inspektoren besonders?
Das Programm steht allen europäischen Trainingsanbietern offen, die bereit sind, ihre Ausbildungsprogramme der Evaluierung zu unterziehen. Das können Fahrschulen ebenso sein wie Motorradhersteller oder öffentliche Einrichtungen.
Die Kriterien unterteilen sich in vier Hauptkategorien: Inhalt der Ausbildung, Methodik, Qualifikation der Ausbilder und Qualitätssicherung. Experten des DVR-Experten liefern eine erste Einschätzung, wenn das Ergebnis positiv ausfällt, besuchen sie die Ausbildungsstätte und bewerten das Programm vor Ort. Um das Gütesiegel zu erhalten, sollte das Programm in jeder Kategorie mindestens 40 Prozent der Anforderungen abdecken oder insgesamt mindestens 60 Prozent.

Wie hoch sind die Kosten der Zertifizierung für die Anbieter?
Die Gebühr für den Erstantrag einschließlich der Inspektion des Programms vor Ort beträgt 6.000 Euro. Um Schnellentschlossene zu fördern, erlässt die ACEM den ersten Trainingsanbietern, die sich für die Qualifizierung anmelden 50 Prozent der Gebühren.

Wird die Konstanz der Qualität einmal zertifizierter Programm überprüft?
Das European Training Quality Label wird für einen Zeitraum von vier Jahren verliehen und kann verlängert werden. Um sicherzustellen, dass die hohe Qualität beibehalten wird, findet ein jährliches Monitoring durch Experten des DVR statt.

Sind Anbieter, die keine zertifizierten Programme haben, automatisch schlechter?
Die kurze Antwort lautet nein. Doch lassen Sie mich das näher erläutern. Das Gütesiegel wurde im September 2016 ins Leben gerufen, und wir sind erst am Anfang der Umsetzung. Es wäre unverantwortlich zu sagen, dass alle Programme, die nicht zertifiziert wurden, »schlechte« Programme sind. Viele von ihnen sind wahrscheinlich sehr gut. Auf der anderen Seite können Motorradfahrer sicher sein, dass die Programme, die das Label besitzen, exzellente Angebote sind.

Wie profitieren die Motorradfahrer vom European Quality Label?
Aktuell gibt es in Europa Hunderte von Ausbildungsplänen für Post-Lizenz-Trainingsprogramme. Leider ist die Qualität ausgesprochen heterogen, und es ist für Motorradfahrer schwierig, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das European Training Quality Label garantiert eine hohe Ausbildungsqualität und stellt sicher, dass Sicherheit die Schlüsselkomponente des Trainingsprogramms ist.

Welche Angebote wurden bereits zertifiziert?
Im Rahmen einer Zeremonie haben wir am 7. September 2016 das Programm »Frühe Risikowahrnehmung« des niederländischen Motorradfahrer-Verbands KNMV als erstes Angebot ausgezeichnet. Seitdem haben bereits 18 deutsche Trainingsanbieter das Siegel für ihre Programme erhalten, weitere haben sich beworben.

Das Interview wurde von Wim Taal im Auftrag der FEMA (Federation of European Motorcyclists’ Associations), dem Dachverband der europäischen Motorradclubs, geführt. Der Text wurde gekürzt. Fotos © Institut für Zweiradsicherheit (ifz), verändert; Wim Taal.


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