Kawasaki GPZ 900 R Ninja

Wie die Ninja zu ihrem Namen kam

Kawasaki feiert das 30-jährige Jubiläum der Ninja-Baureihe. Die Sportmotorräder haben das Markenimage entscheidend mitgeprägt und sind bis heute auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Ein Insider erklärt die Herkunft des Namens.

Es sind oft Einzelne, die der Geschichte einen bestimmten Lauf geben. Mike Vaughan, vor dreißig Jahren Marketing-Direktor bei Kawasaki, ist so jemand. Seinem persönlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass die sportlichste Baureihe bei Kawasaki den prägnanten Beinamen »Ninja« trägt. Die Ninja-Modelle waren im Kawa-Portfolio stets die Technologieträger und setzten im Markt während der letzten drei Dekaden immer wieder den Maßstab, was Spitzenleistung und Leichtbau betrifft. Doch bei allen technischen Superlativen, erst der faszinierende Name »Ninja« hat diese Motorräder wirklich unverwechselbar gemacht.

Die ersten 10 Jahre Ninja: Kawasaki GPZ 900 R von 1984 und ZX-9R von 1994.Mike Vaughan erinnert sich, wie schwierig es war, dass die GPZ 900 R im Jahr als »Ninja 900 R« und nicht als »Panther« auf den amerikanischen Markt kam – und damit zum Urahn einer ganzen Dynastie Sportmotorräder wurde: »Ich war vorher für die Namensgebung aller Snow-Mobile bei Kawasaki zuständig. Als ich in die Motorrad-Abteilung wechselte, wollten wir Alternativen zu den Produktnamen finden, die ja sonst nur aus Buchstaben und Zahlen bestanden. Die neuen Vorschläge kamen dann zunächst von einer beauftragten Agentur. Sie schlugen ‚Panther‘ vor, aber niemand bei Kawasaki – inklusive mir – mochte diesen Namen oder verstand die Verbindung zu den Motorrädern. Wir entschieden uns also dagegen, und die Agentur spielte danach keine Rolle mehr bei der Namensgebung von Kawasaki-Produkten.«Die Ninja-Idee entstand eher zufällig bei einem Aufenthalt von Vaughan in Japan Mitte der 1960er Jahre, wie er erzählt: »Ich stolperte quasi über den Namen, als ich in Japan 1964 und 1965 stationiert war. Als Major auf dem College für Journalismus und Geschichte hatte ich ein Faible für vergangene Zeiten. Vorher wusste ich nichts über japanische Geschichte, aber ich dachte, solange ich hier vor Ort bin, könnte ich etwas über japanische Krieger und die Hintergründe herausfinden. Dabei tauchte irgendwann auch der Name ‚Ninja‘ auf, und ich fand die Zusammenhänge ziemlich interessant. 1974 kaufte ich mir dann ein Segelboot und taufte es ‚Ninja‘. Den Namen brachte ich in englischer und japanischer Schrift an. Ich fand das cool. Es war einzigartig, und aus meiner Sicht passte der Geist der Ninjas gut zu meinem Boot – wendig und schnell. Das hatte ich im Hinterkopf, als das 900R-Projekt die Endphase der Entwicklung erreichte.«

  Die Original-GPZ-Broschüre von 1984 als PDF zum Herunterladen.
Vaughan musste aber zunächst seine amerikanischen Kollegen und dann das japanische Management überzeugen, dass der sagenumwobene Mythos um die Ninja-Kämpfer zur neuen sportlichen Baureihe passen würde. »Das Kawasaki-Management in den USA sprach sich deutlich für den Namen aus, aber in Japan brauchte es etwas mehr Überzeugungskraft. Ich nehme an, es war im Verständnis der japanischen Kollegen so, als ob ein Motorrad ‚Mafia‘ heißen sollte. Wir versuchten, den Namen auf dem Dienstweg und außerhalb des Dienstweges durchzusetzen. Ich schrieb ein Memo, in dem ich argumentierte, warum dies ein guter Name wäre. Bei jedem Meeting sprachen wir über den Namen. Hauptsächlich nutzten wir die Kontakte der japanischen Kollegen in den USA. Wenn wir selbst in Japan waren, dann sprachen wir persönlich mit den verantwortlichen Abteilungen. Letztendlich stimmten sie zu, und wir konnten den Produktnamen für die Präsentation der 900R nutzen. Zufällig wurde zur selben Zeit die TV-Serie »Shogun« ausgestrahlt, was dazu beitrug, dass unsere Idee von der Motorradszene allgemein positiv aufgenommen wurde. Einer unserer Mitbewerber bezog sich sogar in einer Anzeige auf unseren Namen, was ich persönlich als Bestätigung wertete.«

  Jubiläumsmodell Kawasaki ZX-10R von 2014.Die europäischen Motorradfahrer nahmen die Einführung der 900R in den USA zur Kenntnis – auch dank der Rennerfolge auf der Viertelmeile durch den bekannten Drag-Piloten Jay »Pee Wee« Gleeson. Doch wirklich begründet wurde die Legende durch den Doppelsieg von Geoff Johnson und Howard Selby bei der Tourist Trophy 1984 – beide auf fast serienmäßigen GPZ 900 R.

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