Gebrauchtkaufberatung

Kawasaki ER-5

Die ER-5 ist eine überaus wendige, gut motorisierte Einsteigermaschine, zu der auch Ungeübte und Kurzbeinige schnell Vertrauen fassen. Auf dem Gebrauchtmarkt ist sie in allen Jahrgängen, auch gedrosselt, gut vertreten.

Die Ende 1996 vorgestellte Kawasaki ER-5 steht auf dem Gebrauchtmarkt in direkter Konkurrenz zum sehr ähnlich konzipierten Parallel-Twin Suzuki GS 500/E, der sie allerdings ein etwas stärkeres, spritziger agierendes Triebwerk voraus hat. Zielgruppe der ER-5 sind vor allem die Einsteiger; viele haben in den vergangenen Jahren schon ihren Führerschein auf der flotten Kawasaki gemacht. Mit Argumenten wie aufrechter Sitzposition, niedriger Sitzhöhe, überschaubaren Unterhaltskosten und niedrigem Anschaffungspreis ziehen sie aber auch preisbewusste reifere Fahrer und Wiedereinsteiger mit wenig Fahrpraxis gern ins Kalkül.

Die Kawa gibt sich auf der Landstraße ausgesprochen handlich und wendig, läuft tadellos geradeaus – schnell noch dazu, selbst die Drosselversion mit 34 PS rennt 152 km/h – und bietet zwei Personen genügend Platz auf der langen, hinten freilich recht schmalen Bank. Bei voller Zuladung sind allerdings die Stereodämpfer schnell am Limit, hier sollte man die Investition in Zubehördämpfer mit besserem Federkomfort nicht scheuen.

Seit Jahrgang 1998 besitzt die ER-5 eine Benzinuhr, ein verstärktes Rahmenheck – interessant für alle, die Koffer montieren und kräftig zuladen wollen – und einstellbare Lenkerhebel, seit 2001 einen gelifteten Tank (17 statt 16 Liter), eine bequemere Sitzbank und eine schlankere Taille. Den drehfreudigen Zweizylinder erbte sie seinerzeit von der GPZ 500 S; das Triebwerk hat sich auch in anderen Modellen als sehr langlebig erwiesen, sollte also in zweiter oder dritter Hand noch lange tadellos funktionieren.

Genau hinschauen sollte man bei der Besichtigung im Bereich Krümmer und Wasserkühler (durch Spritzwasser und Schmutz steinschlag- und rostgefährdet) und bei der Solo-Bremsscheibe vorn, die hohe Handkräfte benötigt, sich bei harter Beanspruchung daher stark aufheizen kann und eventuell bereits verschlissen (verzogen, riefig) ist. »Gebrauchs-Motorräder« wie eine ER-5 werden gern auch ganzjährig als Alltags- und Pendlerfahrzeug genutzt, was meist mit stärkeren Gebrauchsspuren und mäßigem Pflegezustand einhergeht. In so einem Fall sollte man auch unter die Seitendeckel schauen, wo sich lange Winter- und Regenfahrten mit vergammelten Elektrik-Steckverbindungen rächen können.