Gebrauchtkaufberatung

Yamaha XT 600 E

Die XT 600 E ist eine zuverlässige Alltags-Enduro, die aus dem Erbgut ihrer Vorgänger noch einen Schuss Offroad-Kompetenz hinübergerettet hat. Weit verbreitet, wird sehr günstig gehandelt.

Wer auf satten Beat aus dem Drehzahlkeller und auf kiesgrubentaugliche Fahrwerke steht, läge mit der XT 600 E weit daneben. Die Dampfhammer-Charakteristik ihrer hochbeinigen Vorfahren hatte die Yamaha 1990 nämlich abgelegt, um mit alltagsgerechten Attributen wie gekappten Federwegen, E-Starter und moderater Sitzhöhe um die Gunst eines breiten Publikums zu buhlen. Das gelang ihr blendend, wie die Verkaufszahlen belegen.

Ihre Zielgruppe sind alle, die ein anspruchsloses, robustes und sehr zuverlässiges Motorrad suchen. Die XT punktet mit laufruhigem, halbwegs sparsamem Motor, wendigem Fahrwerk und niedrigen Unterhaltskosten, wiegt je nach Baujahr unter 170 kg und macht mit ihren straffen Federelementen auf kurvigen Straßen viel Spaß. Anzukreiden sind die mäßigen Bremsen, die zähe Leistungsabgabe – ab 1996 nur noch 40 PS – und die dürftige Reichweite der Jahre 1990 bis 94.

Wer die Enduro auch zum Touren nutzen will, sollte eine XT von 1995 oder jünger suchen; ältere besitzen ein labiles Rahmenheck mit mittragend verschraubtem Schalldämpfer, was bei viel Zuladung und hohem Tempo zu Fahrwerkspendeln führen kann. Im Umkehrschluss gilt: bei einer XT von 1990-94 den Bereich Heckrahmen und Schalldämpfer-Aufnahme auf Materialermüdung checken.

Weitere Modifikationen während der 14-jährigen Bauzeit: 1995 Drehzahlmesser, 15-l-Tank, überarbeitetes Getriebe, neu geformte Sitzbank, größere Bremsscheibe vorn, verstärkte Gabelbrücken; 1999 besserer Seitenständer, kürzere Radabdeckung. Von 1990 bis 1995 war parallel die Kickstarter-Version XT 600 K erhältlich.

Der 600er-Single macht Laufleistungen von bis zu 60.000 km ohne Motorrevision mit, sofern er nicht durch ständige Kurzstreckenfahrt oder Vollgasetappen belastet wird. Warnsignale für Verschleiß sind mahlende oder klappernde Geräusche, Ölnebel am Schalldämpfer, Ölfahnen bei Gaswechseln und generell ein hoher Ölverbrauch. Grundsätzlich checken: Rundlauf der Räder, Speichen auf Bruch, Rad- und Lenkkopflager, Bremsscheiben (Riefen), Kupplungsfunktion, dazu Rahmenunterzüge, Motorgehäuse und Fußhebel auf Offroad-Schäden durch Steinschlag beziehungsweise Sturz. Rost findet sich bevorzugt an Schalldämpfer, Sammler, Krümmer und unteren Rahmenrohren.