Gebrauchtkaufberatung

Yamaha XJR 1300

Über Geschmack lässt sich streiten, doch im Fall der XJR 1300 herrscht Einigkeit: ein beeindruckend schönes Naked-Bike, dessen Vierzylinder reichlich Druck bietet und das auch gebraucht sehr begehrt ist.

Unverkleidetes Schwermetall bändigen, sich dem Wind entgegenstemmen, spüren, wie schiere Kraft Mensch und Maschine nach vorn katapultiert. Schon die XJR 1200 von 1994 war so eine Dampfwalze, doch 1999 legte Yamaha noch einmal nach. Mehr Hubraum, mehr Leistung, mehr Drehmoment – die 1300er setzte überall noch eins drauf. Der mit seinen polierten Kühlrippen sehr edel anmutende Vierzylinder setzt oberhalb von 3500/min stets mehr als 100 Newtonmeter frei, egal, ob es sich um die Drossel- oder die 106-PS-Version handelt.

Der wilde Stier ist aber kein reines Showbike, sondern mit bequemer Sitzposition, gutem Soziusplatz und hoher Zuladekapazität auch alltags- und langstreckentauglich. Allerdings muss er in kurzen Intervallen zur Tränke: Auf der Landstraße fackelt er kaum weniger als 6,5 l ab, auf der Autobahn sind zwei Liter Expresszuschlag die Regel. Fast der einzige Kritikpunkt, wären da nicht die knochentrockenen Heckdämpfer, mit denen die XJR auf harten Bodenwellen schnell zum Springbock wird.

Seit 2002 sind zwar Öhlins-Stoßdämpfer verbaut – von 1999 bis 2001 waren diese der mehrfarbig lackierten »Special-Edition« vorbehalten –, doch an der Charakteristik geändert hat sich damit nichts. 2002 speckte die XJR sechs Kilogramm ab und erhielt eine verstärkte Kupplung, noch mehr Leistung, eine schlankere Taille und eine längere Sekundärübersetzung. 2004 spendierte Yamaha der Gabel straffere Federn, zudem wurde die Bremsanlage überarbeitet und der Radsatz gegen leichtere Dreispeichenfelgen getauscht. Seit 2007 ist die XJR dank Einspritzung und G-Kat Euro-3-konform, parallel dazu kommt eine Vier-in-eins-Auspuff­anlage zum Einsatz und die nun voll einstellbaren Federelemente sind toll abgestimmt.

Das Inspektionsintervall bis 2001 ist mit 6000 km sehr kurz (danach: 10.000 km), der Verbrauch an Reifen und Kette je nach Fahrweise hoch. Für den Motor ist Verschleiß dagegen ein Fremdwort. Bleibt also neben der optischen und der Funktionskontrolle (Probefahrt) der Check des allgemeinen Zustands, die Kontrolle der Bremsscheiben (Verzug) und ein prüfender Blick auf sämtliche Lack- und Chromteile. Für vor Mitte 2003 zugelassene Modelle gab es übrigens einen Rückruf (Fahrgestellnummern RP062-001854 bis RP062-003255), weil die Ölschläuche nicht ordnungsgemäß am Ölkühler verschraubt waren.